Der Junge, welcher auf dem Anker der `Amoco Cadiz ´ hockt, ist etwa 12 Jahre alt. |
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Der Junge, welcher auf dem Anker der `Amoco Cadiz ´ hockt, ist etwa 12 Jahre alt. |
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Zum Gedenken an die Unglücksfahrt der Amoco Cadiz liegt der Anker des Supertankers hier im Hafen von
Portsall. Der Anblick ließ in mir eine Ahnung der Grösse des Tankers aufkommen. Sicher nur eine Ahnung,
denn wenn man, wie ich, solch einen Giganten noch nicht selbst gesehen hat, kann es wohl nur eine Vorstellung sein!
Am 16. März 1978 befuhr die Amoco Cadiz die mit Klippen übersähte Nordpassage in den Ärmelkanal.
Schlechtes Wetter und schwere See erschwerten zudem die ohnehin schwierige Navigation.
Die Klippen werden dem Tanker zum Verhängnis. 223000 Tonnen Rohoel, die ganze Ladung des Schiffes ergießen sich ins Meer.
360 Km der nordbretonischen Küste werden verschmutzt. Fischer und Austernzüchter verlieren auf Monate ihre Erwerbsgrundlage.
Es dauert Jahrzehnte, ehe sich die Region erholt hat.
Zwei Jahre später, einige Kilometer östlich die Küste entlang. Vor der
Ile de Baz. Im schweren Sturm zerbricht der in Madagaskar registrierte Tanker "Tanio". 3000 Tonnen
Heizöl werden an den Strand geschwemmt. Mehr als 100 Kilometer der Küste werden verdreckt!
28. April 1979: Die "Gino", in Liberia registriert, kollidiert vor der Ile Quessant mit einem norwegischen Tanker und versinkt.
Geladen hat der Frachter Asphaltöl. Es breitet sich auf dem Meeresboden aus und treibt später bis an die Küste
vor La Baule.
Die bisher letzte schwere Tankerkatastrophe ereignete sich am 12. Dezember 1999. Wieder herrscht raue See. Der Kaptän klagt
schon einen Tag vorher über Probleme und will in seiner Not den Hafen von Saint-Naziere anlaufen.
Doch der Hafenkapitän verweigert das Einlaufen. Er befürchtet eine Ölpest an der Küste der Loire. Am folgenden Tag
gegen 6 Uhr setzt die "Erika" ca. 30 Seemeilen vor der Pointe de Penmarch einen Notruf ab. Zu diesem Zeitpunkt ist das Schiff schon in zwei Teile
zerbrochen. Bis zu 6 Meter hohe Wellen und Windgeschwindigkeiten um die 120 Stundenkilometer erschweren die Rettung der 26-köpfigen
Besatzung enorm. 30000 Tonnen Schweröl hat der Frachter geladen. Ungefähr 11000 Tonnen Laufen aus.
6000 Seevögel verenden Qualvoll mit verklebtem Gefieder. Eine schöne Beschehrung zur Weihnacht für
die Bretonen.
Hunderte freiwilliger Helfer finden sich ein, um den Strand vom Öl zu reinigen. Einige sind dabei,
die ihre Erfahrungen beim Unfall der Amoco Cadiz gesammelt haben.Dabei ist die Arbeit am Strand noch einfach.
Um die vielen kleinen felsigen Buchten zu säubern, muss das klebrige Schweröl
mit der Hand von den Felsen gekratzt werden. Es ist ein Rennen gegen die Zeit, denn je länger sich das Öl
festsetzen kann, desto schwerer ist es abzubekommen. Viele von denen, die damals schon dabei waren, sagen: "Die Schäden
sind grösser als vor 23 Jahren."
Viel schlimmer aber sind die wirtschaftlichen Schäden für die Bretonen. Gemeinden. die schon Erfahrung hatten,
haben kurz nach bekanntwerden des Untergangs von Gerichten und Notaren den einwandfreien Zustand der Küstenstrände
bescheinigen lassen. Doch wie so oft, drehende Winde spülten die Ölflecken meist an anderen Stränden an.
Und so beginnt für alle wieder ein Prozessmarathon um die Entschädigungen. Wie schlimm es für die kleinen Leute ist,
zeigt folgendes Beispiel: 2 Tage nach dem Bekanntwerden des Auseianderbrechens der "Erika" stornieren alle Grosshändler
die Austernlieferungen aus dieser Region. Auch die Tatsache, das die Austernfischer ihre Austern schon seit Wochen vom Meer
völlig getrennt in Meerwasserbecken halten, ändert nichts daran.
Die Seite heißt "Portsall". Darum nun noch ein wenig zu dem kleinen Ort.
Portsall ist ein kleines Dorf. Meist lebt man hier vom Fischfang. Wie in jedem bretonischen Dorf sind die Häuser niedlich und
sehenswert. Am Ende des Hafens liegt ein kleines Museum über den Untergang der "Amoco Cadiz". Auch wenn man, wie ich,
der französischen Sprache nur eher wenig mächtig ist, lohnt ein Besuch! Ich meine, das geschriebener Text zwar mehr
Informationen vermittelt, aber den visuellen Eindruck eines Bildes nicht ersetzen kann. Und Bilder gibt es genug in dieser Austellung!
Diese Ölflecken die wir an einer der schönsten Felsenschluchten an der Küste von Crozon zu sehen bekommen haben holten uns dann doch
wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Denn nur die großen Ölkatastrophen die viel Leid auf einen Schlag in die Regionen bringen
werden von den Medien wirksam begleitet. Das aber tagtäglich kleine Mengen Öl oder Treibstoff ohne entdeckt, geschweige denn geandet zu werden,
in das Meer gelangen sollte, keinem egal sein! Steter Tropfen höhlt den Stein. Und so ist es auch mit den kleinen Mengen, ganz gleich ob ein
Tank gespült wird oder ein Außenborder nicht ganz dicht ist.